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Ich blogge für meine Follower – 49 @ninawindisch „Badeanstalt“

Januar 14, 2012

Badeanstalt
Nachdem ich mich frisch rasiert hatte, kam ich zur Besinnung und sann er über die Vorgänge der letzten Tage nach.

Da war dieser euphorisch herbeigesehnte Besuch im Erlebnisschwimmbad, der nach anfänglichen Zweifeln zu einer ausgewachsenen Katastrophe biblischer Größe mutierte.
Die Insassen jenes Spaßzentrums waren sowas von multikulti, dass es kracht: es gab vor Kraft kaum zum Denken befähigte Semi-Primaten und lärmende Kleinkinder, Frauen gänzlich ohne und vollkommen mit Haaren, Männer mit mehr Viagra als Badehose und Männer mit Babybauch und Brüsten. Der geneigte Betrachter sieht schon an der wie zufällig wirkenden Zusammensetzung der Statisten dieser Begebenheit, dass es wahrlich eine Wonne war, die teuer erkaufte Aufenthaltsdauer von sage und schreibe vier Stunden annähernd lustbringend auszufüllen. Ohne großes Murren planschte ich im kühlen, aber allem Anschein nach sauberen Nass der Luxustherme und ließ mir auf den Zahlreich (2) angebrachten Rutschen den einen oder anderen freundschaftlichen Tritt in die Weichteile verabreichen und lauschte den gängigsten Flüchen und Slangworten der örtlichen Jugendgruppen. Auch das Außenbassin ließ ich nicht aus, bezahlt ist schließlich bezahlt und nichts bringt einem schneller einen todbringenden Männerschnupfen als bei Nieselregen in lauwarmem Wasser zu schwimmen – ich hör‘ schon, wie die Krankenkasse lacht. Nach einer wahrlich monströsen Lichteffekt-Show, zu deren besseren Gelingen man das gesamte Areal abgedunkelt und mit übelriechendem Discoqualm versetzt hatte, drängte sich mir urplötzlich der Gedanke auf, fürs Erste genügend aktiven Freizeitspaß betrieben zu haben. Nach einer gewiss überflüssigen Anti-Fußpilzbehandlung durch einen freundlichen druckknopfgesteuerten Hochdruckhahn bahnte ich mir den Weg durch umstehende Leiber in die Duschen („Mit Seife – Ohne Badebekleidung“), wo ich meine Körpertemperatur erstmal auf eine lebensfreundlichere Gradzahl jenseits der magischen 30 erhitzte. Nun gut, dass meine Dusche in direkter Nachbarschaft des einzig funktionsfähigen Wasserablaufes des turnhallengroßen Nasszellenkomplexes angesiedelt war, eröffnete mir zumindest die Möglichkeit, einige Ausscheidungen meiner Mit-Duscher zu untersuchen. Dass auch Zigarettenkippen, Heftpflaster und ein Tampon um meine Füße streunten und sich in den munter verwirbelten Haaren verfingen, entlockte mir ein apathisches Starren, wunderte mich aber nicht. Zu meinem großen Bedauern hatte die lichtschrankenunterstützte Technik der Dusche die Wasserrationen in kurze, von halbminütigen Pausen unterbrochene Intervalle festgelegt. Unzählige Versuche, durch andere Positionen im Schrankenbereich zu womöglich großzügiger verteilten Wassereinheiten zu gelangen, schlugen fehl. Einige der anderen Hygieniker rumorten schon, dass ich wohl ob meiner rumpfbeugenartigen Bewegungen in nächster Nähe der Wand Sex mit Kacheln oder etwas ähnlich bizarres betreiben würde. Leicht technologiefeindlich und stark unterkühlt verließ ich den Tempel der Freude und saß mit schrumpligen Fingern gebrandmarkt in der Bahn auf dem Heimweg und fühlte mich, als hätte ich ein Arschgeweih im Gesicht.

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